Zuschauereinbruch bereitet große Sorge – Jahresabschluss-Interview mit Thomas Siller und Thomas Hacker

Jahresabschluss-Interview mit Thomas Siller und Thomas Hacker, den beiden Vorsitzenden des 1. EV Weiden

Weiden. Der Jahreswechsel ist stets eine gute Gelegenheit, um einerseits ein Fazit über die vergangenen zwölf Monate zu ziehen und gleichzeitig nach vorne zu schauen. Thomas Siller und Tobias Hacker, die beiden Vorsitzenden des 1. EV Weiden, äußern sich im Interview zum Jahresende 2017.

Herr Siller, Herr Hacker, Sie sind seit 2011 Vorsitzende beim 1. EV Weiden. War 2017 ein besonders intensives Jahr?

Thomas Siller

Siller: In einem so großen Verein wie dem 1. EV Weiden ist jedes Jahr eine Herausforderung. Vor allem mit der ersten Mannschaft in dieser extrem starken Oberliga konkurrenzfähig zu sein und die hohen Erwartungen zu erfüllen, bedeutet für das ganze Vorstandsteam enorme Anstrengungen.

Was waren die Höhepunkte – im positiven wie im negativen Sinn?

Siller: Das Negativste war sicher das überraschende Wegbrechen unseres vorherigen Hauptsponsors Anfang des Jahres, was unsere Planungen für die neue Oberliga-Saison auf den Kopf gestellt hat. Entsprechend war eines der positivsten Ereignisse dann der Wiedereinstieg von A.T.U als Werbepartner bei uns und damit die weitere Förderung des Eishockeysports in der Region.

Hacker: Positiv ist außerdem, dass wir in unserer Vermarktung und unserem Auftritt dieses Jahr Schritte nach vorne gemacht haben. Auch wenn bei weitem noch nicht alles perfekt ist, aber beispielsweise mit der LED-Werbewand und unserem Business Club haben wir weitere professionelle Strukturen geschaffen. Leider muss man die Serie von neun Niederlagen in Folge im November und den damit einhergehenden massiven Einbruch der Zuschauerzahlen als negativen Höhepunkt festhalten. Das bereitet uns Sorge. Mit den aktuellen Zahlen wie 860 Zuschauern gegen Lindau ist Oberliga-Eishockey in Weiden nicht zu finanzieren. Bei allem Verständnis für die Unzufriedenheit nach den vielen Niederlagen: Wenn wir in den kommenden Wochen keinen deutlichen Anstieg der Zuschauerzahlen verzeichnen können, ist das Thema Oberliga-Eishockey in der kommenden Saison im höchsten Maß gefährdet. Die Zuschauer sind unser wichtigster Sponsor, daran hat sich nichts geändert.

Wie fällt das sportliche (Zwischen-)Fazit aus?

Siller: Bei der ersten Mannschaft begann die Saison recht verheißungsvoll, unsere Euphorie wurde nun im November aber schon arg gedämpft durch diese Serie an Niederlagen. Natürlich können wir damit nicht zufrieden sein und arbeiten an vielen Stellschrauben daran, wieder in die Spur zurückzukommen.

Tobias Hacker

Hacker: Mit den Teams zwischen Platz sechs und neun haben wir direkte Konkurrenten, die alle absolut gleichwertig sind. In dieser Liga entscheiden Kleinigkeiten, in jedem Spiel kann alles passieren, das hat man in den vergangenen Wochen gesehen. Wir haben Spiele gewonnen, in denen wir nicht die bessere Mannschaft waren. Andersrum haben wir, besonders auch während dieser Negativserie, Spiele verloren, die wir absolut hätten gewinnen können, wenn nicht sogar müssen. Manchmal geht es auch um Glück. Aber wir sind davon überzeugt, dass wir gemeinsam wieder in die Spur kommen.

Wie lautet die Zielsetzung für den Rest dieser Saison?

Siller: Das Team muss im Kampf um die Play-Off-Plätze alles geben, um Platz acht oder vielleicht sogar noch Besseres zu erreichen. Aber das wird noch eine ganz harte Nuss.

Hacker: Das Team muss zusammenhalten und weiter hart arbeiten. Dann können wir die Play-Offs erreichen. Und dann kann alles passieren.

Wie schlimm wäre aus Ihrer Sicht ein Verpassen der Play-Offs?

Siller: Sollte es dann am Ende wirklich nicht reichen, dann muss man dieses sportliche Ergebnis akzeptieren und die Verzahnungsrunde mit den Bayernligisten und den hinten platzierten Oberligisten spielen, gäbe ja keine andere Wahl.

Hacker: Wir wussten von Anfang an, dass es in dieser Liga nicht leicht werden würde, unter die ersten Acht zu kommen. Sollten wir, was ich nicht glaube, wirklich nicht unter die ersten Acht kommen, werden wir versuchen, in der Verzahnungsrunde die beste Mannschaft zu sein.

Gibt es schon personelle Pläne, die über die laufende Saison hinausgehen?

Siller: Wir beobachten die Leistungen der Spieler genau und machen uns natürlich jetzt schon Gedanken, wer zur Mannschaft der kommenden Saison zählen soll und wer vielleicht auch nicht. Mit Marcel Waldowsky haben wir den Vertrag bis 2020 verlängert. Es wird weitere vorzeitige Vertragsverlängerungen geben, die wir zu gegebener Zeit öffentlich machen werden.

Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung im Eishockey-Nachwuchs?

Siller: Wir haben in den letzten etwa acht Jahren viel Engagement und auch hohe finanzielle Mittel in die Förderung unseres Nachwuchses investiert. Wir achten ständig auf die Qualität unserer Trainer und beschäftigen sogar zwei hauptberufliche Trainer, das leisten sich in Bayern nur ganz wenige Vereine und in Nordbayern gar keiner. Die Erfolge sind entsprechend, sieben Teams sind im Spielbetrieb, die U 16 hat sich in der Schüler-Bundesliga (vier Gruppen) mittlerweile im oberen Tabellendrittel etabliert, alle anderen Teams spielen fast ausnahmslos in den höchsten Klassen des BEV. Hier ist auch der Nachwuchsleitung sehr zu danken, die für eine professionelle Abwicklung dieses Spielbetriebs verantwortlich zeichnet.

Gibt es jemand, dem Sie zum Jahresabschluss danken möchten?

Siller: Ja, natürlich zu allererst allen ehrenamtlichen Mitarbeitern, sie sind das Rückgrat des 1. EV Weiden. Weiterhin danke ich allen Kollegen und Mitarbeitern im Vorstand und um die Vorstandschaft. Ebenso unseren Sponsoren und last, but not least, unseren Zuschauern und Fans.

Hacker: Wir wünschen allen einen guten Start ins neue Jahr und für 2018 viel Glück und vor allem Gesundheit.