Na also, es geht doch: Die Blue Devils feiern am Freitagabend in Selb einen fast schon historischen 4:3 (2:1, 2:1, 0:1)-Auswärtssieg. Es ist der erste Triumph beim Erzrivalen seit einer gefühlten Ewigkeit.

Selb/Weiden. „Wir haben mit viel Herz gespielt und eine super Leistung gebracht“, freute sich EV-Trainer Milan Mazanec nach dem phänomenalen Coup. In einem bis zum Schluss hochspannenden Derby verdienten sich die Weidener die Punkte dank einer beherzten Vorstellung. „Wir haben 60 Minuten lang geduldig gespielt, sind defensiv sehr gut gestanden und haben wenige Fehler gemacht“, nannte Mazanec die Gründe für den Erfolg. Aus einer kompakt auftretenden Mannschaft hob er Torwart Johannes Wiedemann hervor: „Er hat klasse gehalten.“

Die Blue Devils starteten vor einer stimmungsvollen Kulisse sofort mit einer dicken Chance in den Lokalschlager. Marcel Waldowsky tauchte in der 2. Minute alleine vor Wölfe-Keeper Niklas Deske auf, verpasste aber die frühe Gästeführung. Versäumtes holten die Blau-Weißen nur zwei Minuten später nach. Die neu formierte Sturmreihe Waldowsky/Straka/Heinisch zauberte eine Bilderbuch-Kombination aufs Eis und Martin Heinisch schloss zum 0:1 ab – sein vierter Treffer im dritten Punktspiel. Eine Schlafmützigkeit der Gästeabwehr nutzte Selb zum Ausgleich: David Hördler konnte völlig frei die Scheibe vor das Weidener Tor führen und zum 1:1 einlochen (7.).

Die Blue Devils steckten den Gegentreffer weg und nahmen den Schlagabtausch an. Es entwickelte sich eine umkämpfte Partie. Chancen erarbeiteten sich beide Teams, in Führung gingen erneut die Oberpfälzer. Routinier Josef Straka stellte seine Klasse unter Beweis, als er alleine auf das Selber Gehäuse zusteuerte, Deske verlud und abgezockt zum 2:1 einschob (13.). Mit diesem Ergebnis ging’s in die Drittelpause. So mancher Fan begann schon vom ersten Weidener Sieg im Selber Wolfsbau seit dem Oberliga-Wiederaufstieg im Jahr 2012 zu träumen.

Und auch die Blue Devils selbst witterten ihre Chance. Kaum aus der Kabine zurück, geriet die Anfangsphase des zweiten Drittels zur One-Man-Show von Marcel Waldowsky. Mit einem Doppelschlag stellte der Stürmer das Ergebnis auf 4:1 (21./25.). Zunächst traf Waldowsky per Alleingang, dann im Nachschuss. Auf den Rängen feierten die Weidener Fans ausgelassen, auf dem Eis wurde es hektisch. Selb reagierte gestresst auf den klaren Rückstand und erhöhte den körperlichen Einsatz.

In der 31. Minute eine bittere Pille für die Gäste: Daniel Willaschek erhielt bei einem Gerangel an der Bande einen Schläger gegen den Kehlkopf – das vorzeitige Aus für den Kapitän. Damit hatte Weiden nur noch vier Verteidiger auf dem Eis. Bei einer heftigen Schlägerei zwischen Adam Schusser und dem Wölfe-Förderlizenzspieler Marius Nägele reagierte der Schiedsrichter besonnen. Beide Hitzköpfe erhielten 2+2+10 Strafminuten. In Unterzahl mussten die Gäste das zweite Gegentor hinnehmen. Neun Sekunden vor Drittelende erzielte Kyle Piwowarczyk das 2:4.

Und dieser Treffer nährte die Selber Hoffnungen, die Partie vielleicht doch noch drehen zu können. Die Oberfranken versuchten, im letzten Abschnitt Druck aufzubauen. Weiden hielt aber clever dagegen. Bis zur 50. Minute: Nach einer Unachtsamkeit in der EV-Abwehr kam Herbert Geisberger in Position und brachte seine Farben auf 3:4 heran. Danach gab der Gastgeber mächtig Gas, aber die Gästeabwehr um den überragenden Torwart Johannes Wiedemann hielt dem Ansturm bis zur Schlusssirene stand.

Für das Heimspiel am Sonntag (18.30 Uhr) gegen ECDC Memmingen hat Mazanec vor allem einen Wunsch: „Hoffentlich kommt Daniel Willaschek zurück.“

Selber Wölfe: Deske – Silbermann, Ondruschka, Kolb, Müller, Kremer, Böhringer, Nägele – Piwowarczyk, Hördler, Schiener, Mudryk, Dorr, Geisberger, Klughardt, Moosberger, Penc, Neumann
Blue Devils Weiden: Wiedemann – Schusser, Noe, Herbst, Willaschek, Schreyer – Pauker, Abercrombie, Stähle, Waldowsky, Straka, Heinisch, Zellner, Kirchberger, Rypar

Tore: 0:1 (4.) Heinisch (Waldowsky, Straka), 1:1 (7.) Hördler (Dorr, Moosberger), 1:2 (13.) Straka (Waldowsky, Schusser), 1:3 (21.) Waldowsky (Straka, Noe), 1:4 (25.) Waldowsky (Herbst, Heinisch), 2:4 (40.) Piwowarczyk (Geisberger, Dorr), 3:4 (50.) Geisberger (Mudryk, Müller)

SR: Singer – Zuschauer: 2533 – Strafminuten: Selb 8 + 10 für Nägele, Weiden 12 + 10 für Schusser

Quelle: Rudi Gebert, Der neue Tag vom 07.10.17.