3:5-Pleite zum Play-off-Auftakt in Selb: Blue Devils geht die Puste aus

Fünf Mal standen sich die Blue Devils und die Selber Wölfe in dieser Saison bereits gegenüber und immer ging der Spitzenreiter aus Oberfranken als Sieger vom Eis. Hier wehren sich die Weidener Marius Nägele, Ralf Herbst, Martin Heinisch und Goalie Philip Lehr (von links) mit vereinten Kräften. Am Sonntag um 18.30 Uhr kommt es in der Hans-Schröpf-Arena zur Neuauflage des ewig jungen Derbys. Bild: GebertLange Zeit schnupperten die Blue Devils an der Sensation. Die Weidener Eishockeycracks führten zum Play-off-Auftakt bei den Selber Wölfen bis ins letzte Drittel hinein. Dann schlug der Favorit gnadenlos zurück.

Selb. (af/gb) Mit hängenden Köpfen schlich die Mannschaft von Trainer Markus Berwanger vom Selber Eis. Mit 3:5 (2:1, 1:1, 0:3) hatte sie eine Partie verloren, die einer Gratwanderung der Gefühle gleichkam. Zu Beginn Paroli geboten, dann völlig eingebrochen – ein bitterer Derby-Abend für die Blau-Weißen.

„Wir haben über 40 Minuten stark dagegengehalten. Im letzten Drittel wurde der Druck zu groß. Wir müssen uns gut erholen und am Sonntag über 60 Minuten unsere Leistung abrufen“, sagte Devils-Trainer Markus Berwanger.

Nordbayern-Derby und Play-off-Auftakt: Diese explosive Mischung verfehlte ihre Wirkung nicht. Rund 2450 Zuschauer wollten sich am Freitagabend den Eishockey-Knaller im Selber Eisstadion nicht entgehen lassen. Bevor es aber losging, hatten die Wölfe ein erstes Erfolgserlebnis: Der Kanadier Kyle Piwowarczyk wurde als bester Spieler der Oberliga-Saison ausgezeichnet.

Führung durch Pronath

Die als Außenseiter angereisten Gäste waren zur Freude der vielen mitgereisten Fans von Beginn an hellwach. Marco Pronath schockte die Gastgeber mit der frühen Weidener Führung (3.). Ein Treffer, der Wirkung zeigte. Selb tat sich danach schwer gegen eine gut stehende Weidener Defensive. In Unterzahl gerieten die Blue Devils dann doch in Schwierigkeiten. Die erste personelle Verknappung überstanden sie noch, dann traf der Deutsch-Kanadier Jared Mudryk bei der zweiten Selber Überzahl doch zum Ausgleich (10.).

Aber Weiden schlug prompt zurück. Matt Abercrombie brachte seine Farben nur wenig später erneut mit 2:1 in Front (12.). Das treffsicherste Team der Oberliga fand weiter nicht die richtigen Mittel, um die Gästeabwehr zu knacken. Zumal die Blue Devils mit Philipp Lehr einen sicheren Rückhalt im Kasten hatten.

Wie im ersten Abschnitt verbuchten die Weidener auch im zweiten Drittel einen Auftakt nach Maß. Gut zwei Minuten waren gespielt, da steuerte Philipp Siller alleine auf das Selber Gehäuse zu. Den Gegenstoß konnten die Wölfe nur durch ein Foul unterbinden. Die anschließende Überzahl spielten die Blue Devils lehrbuchhaft aus, wobei es Marius Nägele vorbehalten blieb, zur 3:1-Führung abzuschließen (23.).

Der Weidener Anhang feierte, auch weil der Heimmannschaft nicht viel einfiel. Selb probierte es mit Weitschüssen, aber Lehr war auf dem Posten. Bis zur 29. Minute, als ein Versuch von Michael Dorr doch erfolgreich war und der Puck den Weg ins Weidener Tor fand. Danach entwickelte sich ein Spiel auf ein Tor, nämlich auf das der Gäste. Die Oberfranken bauten mächtig Druck auf, auch weil die Blue Devils sich zu viele Strafzeiten leisteten. Mit Glück und Geschick rettete der Gast die Führung in die Drittelpause.

Wer gehofft hatte, dass der Favorit weniger vehement aus der Kabine kommen würde, sah sich getäuscht. Selb drückte, Selb dominierte – und Weiden geriet mächtig ins Schwimmen. So sehr, dass der Ausgleich nur noch eine Frage der Zeit war. Erneut war es Jared Mudryk, der zum hochverdienten 3:3 einlochte (47.). Selb wollte nun mehr. Trotz Zahlengleichheit auf dem Eis spielte der Gastgeber Powerplay gegen nun völlig überfordert wirkende Weidener. Die logische Konsequenz des Scheibenschießens: David Hördler brachte den Gastgeber mit seinem Treffer auf die Siegerstraße (54.). 70 Sekunden vor Schluss beendete Landon Gare die letzten Zweifel daran, wer in der Play-off-Serie in Führung gehen würde. Der Deutsch-Kanadier stellte den 5:3-Endstand her und so mancher Weidener Fan stellte sich fassungslos die Frage: Wie kann eine Mannschaft, die zwei Drittel lang so wacker dagegenhielt, in der Endphase so gewaltig einbrechen?

Am Sonntag Match zwei

Den Blue Devils bleiben keine 48 Stunden, um das Desaster zu analysieren. Im Heimspiel am Sonntag (Beginn 18.30 Uhr) ist ein Sieg Pflicht, sonst droht bereits im dritten Spiel am Dienstag in Selb das Play-off-Aus. Die Sportredaktion von Oberpfalz-Medien bietet auf Onetz erneut einen Liveticker an.

Quelle: Alfred Schwarzmeier, Der neue Tag vom 11.03.2017.